Im laufe der Zeit
In der äußeren Gestaltung machten die Kachelöfen eine große kunstgeschichtliche Entwicklung durch, blieben aber in der Heiztechnik lange Zeit unverändert, bis man im 18.Jahrhundert begann, die Kachelöfen direkt an Schornsteine anzuschließen. Bis dahin wurden Kachelöfen mit ganz geöffneter Heiztüre meist von der Küche oder einem Nebenraum aus befeuert. Die Öfen waren mit einem niedrigeren Teil an die Zimmerwand an- und durchgebaut und wurden durch die Wand mit Holz beschickt (Hinterlader-Prinzip). Im höheren Teil bildete sich Stauhitze, die an die Kachelwände abgegeben wurde. Die im Strahlungsbereich des Feuers liegenden Kachelwände wurden stärker erwärmt. War das Feuer heruntergebrannt, wurden die Heiztüren geschlossen, und die Kachelwände gaben je nach Ausmauerungsstärke die gespeicherte Wärme an die Räume ab. Die Rauchgase traten während der Heizphase nach Abkühlung durch die Ofentür wieder aus und landeten im Idealfall in der Esse, die sich meistens in der Küche über der offenen Herdfeuerung befand, oder man ließ die Abgase einfach austreten und durch Undichtigkeiten in der Dachkonstruktion oder sonst irgendwie ins Freie gelangen. Diese Kachelöfen bedeuteten zwar gegenüber der Heizfähigkeit und Holz(Energie)-ausnutzung eines offenen Kamins einen erheblichen Fortschritt, waren aber immer noch arge Holzfresser.
Im ausgehenden 17.Jh. und dann im 18.Jh machte man sich die ersten ernsthaften Gedanken über Sparöfen und z.B. Friedrich der Große organisierte einen Wettbewerb über Holzsparöfen. Dort gab es sogar Vorschläge über Öfen über zwei Geschosse. Aber erst der direkte Anschluss an einen Schornstein brachte die Möglichkeit, Rauchgaszüge in die Kachelöfen einzubauen. Das war ein allmählicher Erfahrungsprozess mit dem im Schornstein und in der Feuerstätte entstehenden Unterdruck umzugehen, bei dem auch fallende(Sturz-)Züge und andere Zugformen möglich wurden. Zeitlich genau ist das nicht einzuordnen. Es gab im Schwarzwald bis ins 20.Jahrhundert noch Öfen, die ohne Schornstein betrieben wurden! Durch die Umlenkungen und Abkühlung der Heizgase in den Zügen wurden die Öfen sehr effektiv und sparsam mit dem Brennstoff Holz. Rost, Aschekasten und eine gezielte Verbrennungsluftführung wurden üblich. Kacheln wurden allmählich als Massenware in Manufakturen hergestellt, die Baugrößen den Wärmebedarfen angepasst und durch Handwerksregeln landsmannschaftlich standardisiert. Zum Teil gab es auch technische Rückschritte, als man sich im Historismus der zweiten Hälfte des 19.Jh. auf alte Ofenformen besann und wieder die alten Hinterlader-Öfen baute. Aus den Handwerksregeln und Erfahrungswerten zum Raumheizvermögen entstanden 1925 die DIN-Normen für den Kachelofen, die in die Reichsgrundsätze umgewandelt wurden und nach dem 2.Weltkrieg wieder DIN -Normen hießen. Diese DIN-Normen wurden aber 197? wieder zurückgenommen. Die DIN-Norm teilte je nach Stärke der Außenwand die Kachelöfen in leichte, mittelschwere und schwere Bauart ein und gab Planungswerte über das Raumheizvermögen, Gewicht und Speicherdauer
Das Aufkommen der Kohle als Brennstoff im 19.Jh. machte Änderungen in den Kachelofenkostruktionen erforderlich. Kohle konnte nicht einfach in den Kachelöfen verwendet werden, da das heiße Glutbett, das sich beim Kohlebrand bildete, die Seitenwände der Feuerungen sehr schnell beschädigte. Über verschiedene Entwicklungsstufen kam man zu kompakten Feuerungen mit gusseisernen Ummantelungen, die alle Feuerungsbauteile (Rost, Aschekasten, Ofentüren) enthielten und revisionsfähig waren. Man konnte diese Feuerungen reparieren ohne den ganzen Kachelofen abbauen zu müssen. Um sie vor dem schnellen Durchbrennen zu bewahren, wurden diese Heizeinsätze durch konvektive Luftführung gekühlt. Diese eigentlich als Kühlung gedachte Luft brachte aber eine Erhöhung des Raumheizvermögens, die man nutzen konnte. So entstanden die ersten Warmluft-Kachelöfen.